Shell Jugendstudie 2015 – Zusammenfassung

Die Shell-Jugendstudie 2015 zeigt für die junge Generation in Deutschland eine pragmatische Haltung gegenüber Schule und Beruf, Familie und Freundeskreis. Die Jugendlichen passen sich den Gegebenheiten an, Chancen wollen sie nutzen. Sie wünschen sich ebenso Sicherheit wie auch positive soziale Beziehungen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich im persönlichen Umfeld oder für das Gemeinwesen zu engagieren. Die Jugendstudie im Auftrag von Shell stützt sich auf eine repräsentativ zusammengesetzte Stichprobe von 2.558 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren Anfang 2015.

Jugendliche interessieren sich wieder mehr für gesellschaftspolitische aktuelle Themen. Daraus resultiert ein stärker werdendes Bedürfnis, an Gestaltungsprozessen mitzuwirken. Ihr Wunsch nach Vereinbarkeit von Arbeit, Freizeit und Familie ist stark ausgeprägt. Dabei geht es vor allem um planbare und verlässliche Rahmenbedingungen. Der (künftige) Beruf soll sicher sein und ein selbstständiges Leben ermöglichen. Aber junge Menschen suchen im künftigen Beruf zugleich eine selbstbestimmte, sinnvolle und gesellschaftlich nützliche Tätigkeit.

Ergebnisse im Einzelnen

Der Optimismus der Jugendlichen in Deutschland ist ungebrochen: 61 % der Jugendlichen blicken optimistisch in die eigene Zukunft, dies sind mehr als im Jahr 2010 sowie 2006. Jugendliche aus der sozial schwächsten Schicht allerdings teilen diese steigende Zuversicht nicht. Wie schon 2010 äußert sich nur ein Drittel von ihnen optimistisch zur eigenen Zukunft.
In der oberen Schicht hingegen zeigen sich drei Viertel optimistisch – deutlich mehr als 2010. Positiv fällt auf, dass erstmals seit den1990er Jahren eine Mehrheit der Jugendlichen von 52 % auch die gesellschaftliche Zukunft optimistisch beurteilt. Auch hier spielt die soziale Herkunft eine Rolle: Jugendliche aus der oberen Schicht sind mit fast 60 % am optimistischsten gestimmt, Jugendliche aus der unteren Schicht mit 42 % deutlich seltener.

Berufsziele nicht optimistisch

Weniger zuversichtlich sind junge Menschen, was ihre Bildungs- und Berufsziele angeht. Aktuell erwarten fast drei Viertel, ihre Berufswünsche umsetzen zu können – ein gutes Viertel allerdings nicht. Unter Auszubildenden und bei Studierenden sind sich rund vier Fünftel (sehr) sicher, die eigenen beruflichen Wünsche verwirklichen zu können. Die soziale Herkunft spielt hierbei eine zentrale Rolle: Jugendliche aus der unteren Schicht (46 %) sind deutlich weniger zuversichtlich, was die Realisierbarkeit der beruflichen Wünsche angeht, als Jugendliche aus der oberen Schicht (81 %).

Flexible Arbeitsformen gewünscht

Jugendliche haben heute sowohl höhere Bildungs- und Berufsaspirationen als auch höhere Ansprüche an ihre Arbeitgeber. Sie wünschen sich Berufe mit interessantem und erfüllendem Tätigkeitsprofil, aber auch Flexibilität und die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Gleichzeitig ist für 95 % der Jugendlichen ein sicherer Arbeitsplatz (sehr) wichtig. Über 90 % der Jugendlichen meinen, dass Familie und Kinder bei der Arbeit nicht zu kurz kommen dürfen; 59 % stimmen dieser Aussage sogar „sehr“ zu. Für rund vier Fünftel der Jugendlichen ist es wichtig, dass sie ihre Arbeitszeit kurzfristig an ihre Bedürfnisse anpassen können.

Drei Viertel der Jugendlichen möchten Teilzeit arbeiten können, sobald sie Kinder haben. Die Karriereorientierung tritt hinter die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben und die Planbarkeit der Berufstätigkeit zurück. Junge Frauen sind dabei im Schnitt noch fordernder als Männer. Die Hälfte hält die Work-Life-Balance allerdings für schwer erreichbar, ebenso viele fürchten, dass ihnen wegen ihrer (späteren) Berufstätigkeit zu wenig freie Zeit bleiben wird.

Motive bei der Berufswahl

Für die Jugendlichen steht bei der Wahl ihres Berufs ein ausgewogenes Verhältnis von Nutzen und Erfüllung im Vordergrund: Nutzen heißt vor allem hohes Einkommen und gute Aufstiegsmöglichkeiten, gleichermaßen ist ihnen auch genügend Freizeit wichtig.

Für die Mehrheit der Jugendlichen soll der Beruf das Leben nicht ausschließlich bestimmen. Weniger als die Hälfte der Jugend-lichen (47 %) erachtet Überstunden als etwas, das dazugehört, wenn man etwas werden will. Dagegen dürfen für eine breite Mehrheit der Jugendlichen (91 %) Familie und Kinder neben dem Beruf nicht zu kurz kommen. Dabei können sich junge Männer eher mit Überstunden und Wochenendarbeit anfreunden als junge Frauen, denen der Ausgleich mit der Familie wichtiger ist. Junge Frauen legen zudem stärker den Fokus darauf, sich um andere zu kümmern und eine erfüllende Tätigkeit zu haben.

Arbeitseinstellungen von Jugendlichen:

Die Durchstarter (37 %) betonen Nutzen und Erfüllung im Erwerbsleben gleich stark. Nach ihrer Ansicht hat sich die Arbeit aber an das Leben anzupassen. Sowohl Planbarkeit als auch Karriereorientierung sind hoch ausgeprägt.

Die Idealisten (18 %) stellen den Aspekt der Erfüllung eindeutig in den Vordergrund. Nach ihrer Vorstellung soll ihr Beruf vor allem Sinn stiften. Bedeutsam ist auch die soziale Komponente, für andere oder zusammen mit anderen Menschen. Nutzen und Planbarkeit haben dagegen geringere Bedeutung, auch die Karriereorientierung ist eher unterdurchschnittlich ausgeprägt.

Bei den Bodenständigen (27 %) steht der Nutzen im Vordergrund des Berufslebens. Ihnen ist Karriere durchaus wichtig, und sie sollte möglichst gut planbar sein. Weiterhin soll sich der Beruf bis zu einem gewissen Grad an das Leben anpassen. Der Wunsch nach Erfüllung ist ihnen weniger wichtig.

Die Distanzierten (18 %) fühlen sich von allen genannten Aspekten des Berufslebens nicht wirklich angesprochen. Sie haben ver-gleichsweise moderate Erwartungen an Nutzen und Erfüllung, Planbarkeit und Anpassung des Berufs an das Leben und eine weniger ausgeprägte Karriereorientierung.

Diese vier Grundtypen jugendlicher Berufsorientierung machen unterschiedliche Ansätze erforderlich, mit denen Jugendliche motiviert und adäquat in das Berufsleben eingebunden werden können.

Engagement durch Warenboykott

Immer mehr Jugendliche zeigen politisches Interesse. Im Vergleich zu 30 % im Jahr 2002 bezeichnen sich 2015 41 % als „politisch interessiert“. Damit ist auch die Bereitschaft zur Beteiligung an politischen Aktivitäten verbunden. Die etablierten Parteien profitieren davon jedoch nicht. Jugendliche bringen den Parteien wenig Vertrauen entgegen, genauso wie großen Unternehmen, Kirchen und Banken. Das größte Vertrauen genießen Polizei, Gerichte sowie Menschenrechts- und Umweltgruppen.

Fast sechs von zehn Jugendlichen haben sich schon einmal an politischen Aktivitäten beteiligt. An der Spitze steht dabei der Boykott von Waren aus politischen Gründen mit 34 %, danach das Unterzeichnen von Petitionen. Jeder Vierte hat bereits an einer Demonstration teilgenommen und 10 % engagieren sich in einer Bürgerinitiative.

73 % der Jugendlichen sind mit der Demokratie in Deutschland zufrieden, dies waren bei der 2010 noch 63 % und 2002 nur 60 %. Die Politikverdrossenheit ist dennoch hoch: Der Aussage, »Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken« stimmen 69 % der Jugendlichen zu.

Stolz auf deutsche technische Leistungen

Stolz besteht bei der Qualität der Produkte aus Deutschland und den technischen Leistungen. Zum anderen glauben sie, dass Deutschland kulturell und sozial attraktiv ist und dadurch ein Vorbild für andere Länder der Welt sein kann. 62 % der Jugend sind stolz darauf, Deutsche zu sein. Bei jungen Leuten ohne Migrationshintergrund sind es sogar 70 %, bei deutschen Jugendlichen mit einem im Ausland geborenen Elternteil 64 %.

Auf Ängste in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage verweisen nur noch 51 % der Jugendlichen. Parallel dazu ist auch die Angst davor, keinen Ausbildungsplatz zu finden oder den Arbeitsplatz zu verlieren, auf 48 % gesunken. Zeitgleich wächst die Sorge in Bezug auf die internationale Lage: Mit 73 % befürchten die Jugendlichen am häufigsten mögliche Terroranschläge.

Unterschiede zwischen westlichen und östlichen Bundesländern bestehen bei der Frage der Zuwanderung: Im Westen sprechen sich 35 % dafür aus, die Zuwanderung nach Deutschland zu reduzieren, bei Jugendlichen aus den östlichen Bundesländern (inkl. Berlin) sind es hingegen 49 %.

Bewertung:

Der Optimismus und die positive Grundstimmung der Jugend sind erfreulich. Dass die Bedingungen für Wohlstand und Lebens-chancen und viele Leistungen, auf die man stolz ist, sich dem Engagement von Unternehmen verdanken, wird offenbar nicht im Zusammenhang gesehen. Warenboykott steht als einfaches politisches Instrument im Interesse obenan.

Unternehmen sind offensichtlich eher als positive Größe im Blick, wenn sie als Arbeitgeber gesehen werden, auch wenn man Sorge hat, die eigenen Wünsche nicht berücksichtigt zu sehen und nicht nach eigenen Vorstellungen leben zu können.

Dass junge Menschen hier hohe Erwartungen haben, ist für die Betriebe bei den Auszubildenden und Berufsanfängern durchaus spürbar und bestätigt den Eindruck einer „Generation Y“, die ebenso viel Wert auf Freizeit legt wie auf eine sinnvolle und erfüllende berufliche Tätigkeit. Die Berufsorientierung wird differenziert und gezielt auf die verschiedenen Typen von Arbeitseinstellungen der Jugendlichen eingehen müssen.

Download:

17. Shell-Jugendstudie – Herausgeber: Deutsche Shell Holding GmbH, Hamburg (pdf, 3 MB)

Zusammenfassund 17. Shell Jugend Studie (pdf, 98 KB)