Stuckateurhandwerk setzt auf Kooperation, Qualifizierung und nachhaltige Strategien

Rutesheim, 23. Januar 2026: Wie kann das Ausbauhandwerk auf wirtschaftliche und politische Unsicherheiten sowie den Fachkräftemangel reagieren? Genau diesen Fragen widmete sich das „Forum Ausbau und Fassade 2026” des Fachverbands der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg (SAF).

Die Veranstaltung wurde erstmals zusätzlich per Livestream übertragen, wovon einige der Eingeladenen Gebrauch machten, um digital teilzunehmen. Sie und die zahlreichen Vertreter aus Handwerk, Wirtschaftsverbänden und Politik vor Ort erhielten Einblicke in die strategische Ausrichtung des Stuckateurhandwerks. Zudem setzte die Gastrednerin Dr. Antje von Dewitz, geschäftsführende Gesellschafterin des Outdoor-Ausrüsters VAUDE, wertvolle Impulse zum Thema „Nachhaltige Unternehmensstrategie“.

Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Rainer König

Zum Auftakt der öffentlichen Veranstaltung begrüßte der Vorsitzende des SAF, Rainer König, die Gäste und setzte in seiner Rede klare Akzente. Angesichts globaler Krisen seien Zuversicht, Orientierung und eine klare Vision gefragt. Die Investitionen zögen wieder an, und die Zahl der Baugenehmigungen sei zuletzt gestiegen. „Schauen wir optimistisch in die Zukunft!“

Besonders erfreulich sei, dass der Verband im Stuckateurhandwerk 2025 rund 20 Prozent mehr Auszubildende verzeichnen konnte. Sein Dank galt den Ausbildungsbetrieben, die hier hervorragende Arbeit leisten. „Darauf sind wir stolz.“

König betonte zudem die wachsende Bedeutung der gewerkeübergreifenden Zusammenarbeit. Für das Jahr 2026 sind mehrere Veranstaltungen geplant, die diesen Ansatz stärken sollen, darunter der gemeinsame Technik-Tag von Stuckateuren, Malern und Landschaftsgärtnern sowie die interdisziplinäre ICQ-Raumklimatagung zum Thema gesundes Raumklima.

Auch der Blick in die Zukunft reichte weit: Der Branchenkongress KIT 2027 in Friedrichshafen und die Messe „Farbe, Ausbau und Fassade“ (FAF), die 2028 gemeinsam mit der „Dach+Holz International“ in Stuttgart stattfindet, werden diesbezüglich neue Impulse setzen.

Ressort Betriebswirtschaft mit positivem Ausblick

Im Anschluss stellten die Ressortleiter ihre aktuellen Projekte vor. Im Bereich Betriebswirtschaft verabschiedete Marcel Sauer den langjährigen Betriebsberater Frank Gericke und stellte dessen Nachfolger Valentin Vasile vor. Schwerpunkte für 2026 sind unter anderem Betriebsübergaben, der Einsatz von KI-Lösungen, fairer Wettbewerb sowie Führungskräfte- und Personalentwicklung. Eine Konjunkturumfrage unter 115 Betrieben zeigte insgesamt eine positive Erwartungshaltung für das Jahr 2026.

Ressort Bildung: Von Stuckmarmor bis Bauforensik

Christina Besemer stellte die Aktivitäten des Ressorts Bildung vor. Das Spektrum reiche von Nachwuchswerbung über die Neuordnung der Ausbildung bis hin zur Erwachsenenbildung. Trotz steigender Ausbildungszahlen stellt die geringe Zahl der Junggesellen weiterhin eine Herausforderung dar. Mit Formaten wie der „Stucki-Challenge” sollen die Attraktivität des Handwerks und der Teamgeist gestärkt werden.

Als Beispiel für die Bandbreite des Stuckateurberufs nannte sie die Qualifizierung zum Thema „Optische Bauforensik”. Dabei geht es um die Beurteilung von Schimmelschäden und -ursachen sowie um die Erfolgskontrolle von Schimmelschadensanierungen. „Von Stuckmarmor bis Bauforensik – Stuckateure haben ein unheimlich breites Betätigungsfeld.“

Ressort Marketing: Neue Formate für alle Generationen

Dieses breite Spektrum der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, ist das zentrale Anliegen des Ressorts Marketing. Dessen Leiter Hermann Blattner und sein Team setzen dabei verstärkt auf neue Formate. Ein mobiler Messestand mit Augmented-Reality-Elementen, Influencer-Kooperationen, der Relaunch des Magazins „Stuck-Info“ sowie der Video-Podcast „Meisterwerkstatt Ausbau und Fassade“ sollen die Sichtbarkeit und Reichweite erhöhen. Die Maßnahmen dienen der Nachwuchs- und Kundengewinnung sowie dem Imagegewinn.

Ressort Technik: Blick über den Tellerrand

Ganz im Zeichen der Technik stand der Beitrag von Achim Bauer. Überarbeitete Regelwerke und die gemeinsam mit Malern und Landschaftsgärtnern erarbeitete Sockelrichtlinie sind das Ergebnis einer erfolgreichen, branchenübergreifenden Zusammenarbeit. Die damit gewonnene Prozesssicherheit dient Kunden und Betrieben gleichermaßen.

Auch ein gemeinsam mit anderen Verbänden verabschiedetes Positionspapier zielt in diese Richtung. Es relativiert irreführende Aussagen zu sogenannten „wärmedämmenden Farben” und unterstreicht den Anspruch des Verbands auf fachliche Kompetenz, Klarheit und Verlässlichkeit.

Impulsvortrag „Nachhaltige Unternehmensstrategien“

Einen Höhepunkt der Veranstaltung bildete der Impulsvortrag von Dr. Antje von Dewitz, der geschäftsführenden Gesellschafterin des Outdoor-Ausrüsters VAUDE, zum Thema nachhaltige Unternehmensstrategie. Anhand der Entwicklung ihres Unternehmens zeigte sie eindrucksvoll auf, wie sich ökonomischer Erfolg, ökologische Verantwortung und soziale Aspekte miteinander verbinden lassen – auch wenn dies mit Zielkonflikten, Rückschlägen und unbequemen Entscheidungen verbunden ist.

Nachhaltigkeit sei kein kurzfristiges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Lernprozess, der messbare Ziele und eine klare Haltung erfordere, so von Dewitz. „Wenn ich nichts tue, trage ich zu den Problemen bei“, machte sie ihre persönliche Motivation deutlich. Entscheidend sei, Verantwortung aktiv zu übernehmen und Veränderungen nicht aufzuschieben.

Durch wissenschaftlich basierte Klimaziele, transparente Berichterstattung und eine konsequent gelebte Vertrauenskultur habe sich Nachhaltigkeit bei VAUDE von einer anfänglichen „Hausaufgabe” zu einem Innovationstreiber entwickelt. Ihre zentrale Botschaft an die Zuhörer lautete: „Nachhaltigkeit ist immer ein Zielkonflikt – aber genau darin liegt die Chance, Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen.“ Der Vortrag stieß bei den Teilnehmern auf großes Interesse und wurde mit langanhaltendem Beifall aufgenommen.

Ehrungen

Zum Abschluss der Veranstaltung würdigte Rainer König das besondere Engagement verdienter Persönlichkeiten des Stuckateurhandwerks. Josef Biselli wurde für seine herausragenden Leistungen sowie für 34 Jahre ehrenamtlichen Einsatz im Bereich der Restauratoren ausgezeichnet. Ebenfalls geehrt wurde Josef Höninger, der die Arbeit des Verbands über viele Jahre maßgeblich geprägt hat – unter anderem sieben Jahre im Vorstand und zwei Jahrzehnte im Technischen Ausschuss.
Besondere Anerkennung erhielten auch zwei junge Nachwuchskräfte des Stuckateurhandwerks. Niko Greminger aus Berghaupten wurde im November 2025 Deutscher Meister im Stuckateurhandwerk. Franz Lehnert aus Nürnberg errang bei den EuroSkills 2025 im dänischen Herning den Europameistertitel der Stuckateure. Die Auszeichnungen wurden von den Teilnehmern mit großem Applaus begleitet.

Vernissage mit Werken von Günter Kaiser

Den künstlerischen Ausklang der Veranstaltung bildete eine von Rainer König eröffnete Vernissage mit Werken von Günter Kaiser. Die Gemälde des aus Mönchweiler stammenden Künstlers schlagen eine besondere Brücke zwischen Handwerk, Gestaltung und freier Kunst.

Günter Kaiser wurde 1960 in Hornberg geboren. Nach dem Besuch der Stuckateur-Meisterschule in Heilbronn und einer Ausbildung zum Restaurator im Stuckateurhandwerk übernahm er gemeinsam mit seinem Bruder den elterlichen Betrieb. Parallel dazu vertiefte er seine künstlerische Ausbildung an der Freien Kunstakademie Rhein-Ruhr in Krefeld. Seine überwiegend in Öl auf Leinwand ausgeführten Arbeiten verbinden handwerkliches Können und freie Malerei.


Über den Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade (SAF):

Über den Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade (SAF)
Der Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg (SAF) ist der größte Einzelverband der Gewerke Putz, Stuck, Trockenbau und Fassade in Deutschland. Er vertritt die Interessen seiner rund 900 Mitgliedsbetriebe gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.

Als technischer und wirtschaftlicher Partner unterstützt der SAF die Betriebe mit Beratung, Weiterbildung und innovativen Konzepten für eine erfolgreiche Zukunft. Mit dem Branchenzentrum Ausbau und Fassade und der Ausbau-Akademie übernimmt der SAF zudem bundesweite Aufgaben als Bildungsdienstleister und Schnittstelle zwischen Industrie, Forschung und Praxis.

Sitz des Fachverbandes SAF ist das Branchenzentrum Ausbau und Fassade in Rutesheim.

Kontakt:

Fachverband der Stuckateure für
Ausbau und Fassade Baden-Württemberg (SAF)

Branchenzentrum Ausbau und Fassade
Siemensstr. 6 – 8
71277 Rutesheim (bei Stuttgart)

Ansprechpartner: Thomas Arnold
Telefon: 07152  30550100
info.saf@bz-af.de
www.stuck-verband.de

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