EU-Azubis

Deutsches Stuckateur-Handwerk engagiert sich gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Der demographische Wandel ist deutlich spürbar und viele Branchen suchen nach Lösungen, um sich Mitarbeiter für die Zukunft zu sichern. Vom Rückgang der Auszubildenden ist auch das Stuckateur-Handwerk betroffen und daher suchen wir als Fachorganisation nach Lösungen, um den Fachkräftebedarf unserer Mitgliedsbetriebe langfristig decken zu können.

Neben vielfältigen Aktivitäten im Inland, die neben der „normalen dualen Berufsausbildung“ auch Projekte zur Förderung lernschwächerer Schulabgänger sowie mit einem Studienmodell dual (Stuckateur und Gebäudeklimatik) die Zielgruppe Abiturienten anspricht, hat das Stuckateur-Handwerk auch ein erstes Projekt mit spanischen Bewerbern gestartet. Spanische Jugendliche aus der Gegend um Madrid wurden für den Deutschen Arbeitsmarkt fit gemacht. Die ausgewählten Jugendlichen gingen in Spanien auf eine Sprachschule und erhielten einen Intensivkurs im Fach Deutsch.

Zusätzlich wurde den jungen Menschen kulturelle Gepflogenheiten (Pünktlichkeit, Sauberkeit, Zuverlässigkeit) unserer deutschen Gesellschaft aufgezeigt, um eine gute und langfristige Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt sicherstellen zu können. Nach einem Praktikum im Sommer 2013 sollen möglichst viele Ausbildungsverträge zwischen Betrieben und Praktikanten abgeschlossen werden.

Da in vielen europäischen Ländern derzeit eine extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit herrscht, etwa in Spanien, Griechenland und Bulgarien, beabsichtigt das Deutsche Stuckateur-Handwerk aufgrund der derzeit gesammelten Erfahrungswerte, auch mit anderen Regionen innerhalb der Deutschlands und der Europäischen Union Berufsnachwuchs anzuwerben.

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REUTLINGEN. Ein Dorf mit knapp 3 000 Einwohnern, lauter Schwaben – und mittendrin ist Alejandro Mudarra-Gonzalez. Der junge Mann kommt aus Spanien in der Nähe von Madrid, ist Licht- und Tontechniker von Beruf. Wie knapp die Hälfte der Jugendlichen in Spanien zwischen 15 und 24 Jahren hat er zu Hause keine Arbeit gefunden. Oder eben Jobs, bei denen er etwa 300 Euro im Monat verdiente. Das reichte dem 24-Jährigen bei Weitem nicht zum Leben.

Unterjesingen heißt das Dorf, das am Rande des Schönbuchs zwischen Tübingen und Herrenberg liegt. Dort ist der Stuckateurbetrieb Göhring ansässig, dem Gabriele Göhring und Volkmar Bahlinger als Geschäftsführer vorstehen. Es ist ein kleiner Betrieb mit acht Facharbeitern und vier Auszubildenden, jedes Jahr kommt ein neuer dazu. Doch wie in vielen Handwerksbetrieben ist es schwer, Auszubildende zu finden. Zum einen bewerben sich immer weniger Schulabgänger. Und zum anderen: »Oftmals sind die Jugendlichen sehr unmotiviert, bewerben sich bloß, weil die Eltern das wollen«, erläutert Gabriele Göhring. Natürlich treffe das nicht auf alle zu, aber es sei auffällig, wie schlecht oft die Bewerbungen schon seien.

Hier gehts zum kompletten Original-Artikel

REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER (05.11.2013)

Zwanzig junge Männer aus Spanien haben im Herbst 2013 in Baden-Württemberg mit ihrer Ausbildung zum Stuckateur begonnen. Die Journalisten-Akademie aus Mannheim hat mit Unterstützung des Stuckateurbetriebes Göhring und des Fachverbandes einen Filmbeitrag über das Projekt gedreht, der im Privatsender BW-Family TV ausgestrahlt wurde.

Der Abschnitt über den Stuckateur-Azubi beginnt bei 6:15 Min.

Baden-Württemberg is a special place. We have everything. Also in three minutes!
For aspiring trainees like you, Baden-Württemberg offers fantastic opportunities.

Mit einem besonderen Projekt leistet das baden-württembergische Stuckateur-Handwerk einen eigenen Beitrag hinsichtlich der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa. Der Stuckateurverband hat im Mai 2013 35 spanische Jugendliche zu einem Assessment-Center nach Leonberg eingeladen, um Ihnen die Chance auf eine qualifizierte Ausbildung in Deutschland zu bieten.

Wolfram Kümmel, der Geschäftsführer des Stuckateurverbandes Baden-Württemberg ist einer der Väter der Initiative. Er betonte, dass in Deutschland leider oft nur noch eine hohe Schulausbildung zähle und die duale Ausbildung dadurch geschwächt wird. Durch Initiativen wie diese werde sichergestellt, dass die Betriebe auch morgen noch ihre Aufgaben erfüllen können.

Spanier bewerben sich in Assessment Center für Stuckateur-Berufe.

Regio-TV-Fachkräftemangel

>> zum Film

Viele Ausbildungsplätze bleiben in Deutschland unbesetzt, weil es an geeigneten Bewerbern fehlt. Mit dem Förderprogramm “MobiPro-EU” will die Bundesagentur für Arbeit nun Jugendliche aus Südeuropa nach Deutschland locken und stockt für sie die Ausbildungsvergütung auf. Deutschland und Spanien verpflichten sich zu mehr Kooperation.

Fachkräftemangel-EU

Hier gehts zum kompletten Original-Artikel der Deutschen Handwerkszeitung (21.05.2013)

Madrid/Leonberg, 6. Mai 2013. Heute startet in Madrid ein ganz besonderer Sprachkurs. 32 junge Spanier erlernen in einer Intensivausbildung an der Madrider Sprachschule International Formation Center die Grundbegriffe der deutschen Sprache, um sich optimal für ein Praktikum bei baden-württembergischen Stuckateurbetrieben vorzubereiten. Vorausgegangen war ein Assessmentcenter Mitte April in Leonberg, auf das sich rund 40 junge Männer für einen Ausbildungsplatz als Stuckateur in Deutschland beworben hatten.

Sergio San Gil Vidal ist 23 Jahre alt und kommt aus Madrid. Dort hat er sich als Elektriker ausbilden lassen, doch eine berufliche Perspektive in seinem Heimatland sieht er derzeit nicht. „Die Situation in Spanien ist sehr schwierig“, berichtet er. „Man muss anfangen sich zu bewegen.“ Darum kam er nach Leonberg. Mit rund 30 anderen spanischen Jugendlichen hat er eine 25-stündige Busfahrt auf sich genommen, um sich in einem Auswahlverfahren für einen Ausbildungsplatz als Stuckateur zu qualifizieren. Die jungen Spanier sind in der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte der Stuckateure versammelt. Grüne, rote und blaue Schilder teilen sie in drei Gruppen auf. Ebenso viele Stationen werden sie heute durchlaufen: In der Werkstatt wird ihr handwerkliches Geschick getestet, im Computerraum müssen sie Fragen am PC beantworten und dann wartet auf sie auch noch ein Teambildungskurs, der Aufschlüsse über ihre Teamfähigkeit liefern wird. „Wir bieten unseren spanischen Gästen ein seriöses Auswahlverfahren und kein Casting, wie in einschlägigen TV-Shows üblich“, betont Dr. Roland Falk, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums für Ausbau und Fassade, wo die Idee zu der Bildungsinitiative geboren wurde. Obwohl ihnen noch die lange Busfahrt in den Knochen steckt, sind die Jugendlichen hoch motiviert. „In Deutschland eine Stuckateurlehre machen zu dürfen ist für die Jungs hier wie für andere ein Medizinstudium“, sagt Misael Salvat. „Die sind stolz dabei zu sein.“ Der 24-Jährige hat sich mit seinem Arbeitskollegen Michael Santana Pepen freiwillig als Dolmetscher gemeldet. Beide sind sie Stuckateur-Auszubildende bei der Stuttgarter Firma Lenz. Spanisch ist ihre Muttersprache. Heute übersetzen sie nicht nur, sondern geben den interessierten jungen Spaniern auch sonst bereitwillig Auskunft – über den Stuckateurberuf, über Deutschland, über Stuttgart und über alles andere, was 20-Jährige so interessiert. Wolfram Kümmel, der Geschäftsführer des Stuckateurverbandes Baden-Württemberg, ist einer der Väter der Initiative. „Bei uns in Deutschland zählt leider nur noch eine hohe Schulausbildung. Der duale Weg wird dadurch geschwächt. Durch Initiativen wie diese stellen wir sicher, dass unsere Betriebe auch morgen noch ihre Aufgaben erfüllen können“, erklärt Kümmel. Doch er sieht sich und seinen Verband auch in einer europäischen Verantwortung. „Deutschland ist in der Pflicht. Es ist nicht akzeptabel, dass in Spanien eine über 50-prozentige Jugendarbeitslosigkeit herrscht und wir tatenlos zusehen.“ Umso mehr freut es Kümmel, dass er Unterstützung für dieses Projekt gefunden hat. „Es reicht nicht aus, gute Ideen zu haben. Wir sind auch auf Partner angewiesen, die uns bei der Umsetzung unterstützen.“ Genau diese Partner fanden Kümmel und seine Stuckateure in der Zentralen Auslandsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, der Deutschen Handelskammer in Spanien, der Madrider Sprachschule International Formation Center sowie in der gemeinnützigen Sto-Stiftung. „Wir möchten das Modell als langfristigen, festen Baustein unserer Bildungsarbeit etablieren“, sagt Kümmel. „Unsere Partner garantieren mit ihrem Engagement für entsprechende Nachhaltigkeit.“ Das sieht Till Stahlbusch, Vertreter der Sto-Stiftung ähnlich. „Wir können uns gut vorstellen, die jungen Menschen auch nach erfolgreicher Ausbildung, beispielsweise bei der Meisterausbildung, zu unterstützen.“ Doch bevor es soweit ist, müssen die jungen Spanier zuerst die heutigen Tests bestehen. Sergio ist mittlerweile in der Ausbildungswerkstatt bei Ausbildungsmeister Ingo Neumann eingetroffen. Unter dessen Anleitung bearbeitet er eine Gipskartonplatte und formt daraus ein Relief während Misael und Michael, die beiden Stuckateur-Azubis, dolmetschen. „Fachbegriffe zu übersetzen ist gar nicht so einfach“, sagt Michael. Doch die Kommunikation stimmt. Fröhliche Gesichter wohin man schaut. Wenn die jungen Spanier im Juli zum Praktikum nach Deutschland zurückkehren, werden sie eine zweimonatige Sprachausbildung in Madrid absolviert haben. Am International Formation Center lernen sie das deutsche Alltagsleben, kulturelle Gewohnheiten und rechtliche Rahmenbedingungen kennen – alles in deutscher Sprache. „Ziel ist, dass sie sich zu Praktikumsbeginn im Alltag gut verständigen können und Grundbegriffe des Handwerks beherrschen”, erklärt der Leiter der Schule, Alexander Bell. Die Motivation Deutsch zu lernen ist hoch. „Bei uns in Spanien wird Deutsch langsam zur wichtigsten Fremdsprache“, sagt Sergio. Sprachliche Barrieren abzubauen ist eine der großen Aufgaben des Projekts. „In der Berufsschule wird es eine Sonderklasse mit Sprachkurs geben“, so Kümmel. Außerdem würden sich Sozialpädagogen um die Betreuung kümmern, damit die jungen Spanier ihren neuen Lebensabschnitt erfolgreich meistern. Und schließlich werden die Ausbildungsbetriebe für Wohnraum sorgen und die jungen Leute sicherlich auch familiär integrieren. Das war bereits am Tag nach dem Eignungstest zu spüren, als die angehenden Auszubildenden mit ihren künftigen Ausbildern zusammentrafen. Einige der Betriebsinhaber hätten die jungen Spanier am liebsten gleich da behalten. So aber stiegen Sergio San Gil Vidal und seine Kollegen voller Eindrücke wieder in den Bus nach Madrid – und freuen sich auf ein Wiedersehen im Juli.

Leonberg, 20. April. Ungewöhnliche Wege geht wieder einmal der baden-württembergische Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade. Hintergrund ist der fehlende Nach-wuchs im Stuckateur-Handwerk. Es gibt auch hier einfach zu wenig Schulabgänger, die im Handwerk ihre Zukunft sehen. Auf Privatinitiative nahmen Mitarbeiter des Kompetenzzent-rums für Ausbau und Fassade (KOMZET) in Leonberg Kontakt nach Spanien auf, um ar-beitslose Jugendliche für eine Berufsausbildung in Deutschland zu interessieren. Unterstützt und begleitet wird dieses besondere Projekt von der Zentralen Auslandsvermittlung der Bun-desagentur für Arbeit, der Deutschen Handelskammer in Spanien, der Madrider Sprachschu-le International Formation Center sowie der gemeinnützigen Sto-Stiftung, die sich für die Nachwuchsarbeit im Handwerk engagiert.

35 junge Männer reisten am 19. April nach Leonberg, um in einem Assessment-Center getestet und für Praktika sowie anschließende Ausbildung vorbereitet zu werden. Zu Anfang des Jahres waren mehr als 50 Prozent der jungen Leute auf der Iberischen Halbinsel arbeitslos. Angesichts dieser dramatischen Situation könnten die 35 eine neue Chance in der Bundesrepublik erhalten. Voraussetzung ist jedoch, dass sie wie ihre deutsche Azubikollegen in einem Eignungstest eine gute Allgemeinbildung beweisen. In einem Praxistest wird dann auch handwerkliche Begabung geprüft und in einem Teamtrainingsseminar soziale Kompetenz. Anders als in Deutschland durchlaufen die Schulabgänger in Spanien lediglich eine theoretische Ausbildung für den Baubereich, die nicht branchenspezifisch ist. Nach dem Assessment-Center in Leonberg erhalten die Bewerber nach einer zweimonatigen Sprachausbildung in Madrid ab Sommer die Möglichkeit zu Praktika in baden-württembergischen Handwerksbetrieben, denen sich dann ab September eine dreijährige Lehre anschließen kann. „Unsere Kandidaten sind zwischen 23 und 25 Jahre alt. Sie leben in der Regel noch in ihren Familien. Umso wichtiger ist es, sie in Etappen auf diesen bedeutenden Schritt vorzubereiten“, unterstreicht Wolfram Kümmel, Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes der Stuckateure für Ausbau und Fassade. „Deshalb haben wir dieses Projekt sehr verantwortungsbewusst mit unseren interessierten Mitgliedsbetrieben vorbereitet.“ In der Berufsschule wird es eine Sonderklasse mit Sprachkurs geben. Sozialpädagogen kümmern sich um die Betreuung, damit die jungen Spanier ihren neuen Lebensabschnitt erfolgreich meistern. Die Ausbildungsbetriebe sorgen für Wohnraum und werden die jungen Leute sicherlich auch familiär integrieren. In diese Vorbereitung flossen nützliche Erfahrungen von spanischen Mitarbeitern der Handwerksbetriebe ein. „An diesem Wochenende wird es bei uns ein seriöses Auswahlverfahren geben und kein Casting, wie in einschlägigen TV-Shows üblich. Wir freuen uns auf unsere spanischen Gäste und sehen dem Assessment-Center gespannt entgegen“, so Dr. Roland Falk, Geschäftsführer des KOMZET. „Anders als in der Industrie, Medizin oder IT verfügt das Handwerk über kleinteilige Strukturen, die gebündelt werden müssen, um so ein Vorhaben umzusetzen. Das ist uns in dieser Etappe gelungen“, erläutert Falk weiter. „Unsere Stiftung hat zahlreiche Aktivitäten des Landesverbandes und des KOMZET unterstützt. Wir sind uns der Verantwortung bewusst, dass hier im europäischen Sinne für den Handwerksnachwuchs in der Bundesrepublik Weichen gestellt werden und haben deshalb Mittel freigemacht für diesen Termin“, betont Till Stahlbusch, Stiftungsvorstand der Sto-Stiftung. Das Stuckateur-Handwerk verbindet Tradition und Innovation. Um dem Fachkräftemangel im Handwerk entgegen zu wirken, reisen 35 junge Männer aus Spanien für ein Assessment-Center nach Leonberg. Ziel ist es, den besten von ihnen nach Sprachkurs und Praktikum ab September eine reguläre Berufsausbildung in einem baden-württembergischen Betrieb zu ermöglichen.