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.. .. .. KIT 2008 in Fellbach

Heiner Geißler fordert ethische Grundsätze in der Wirtschaft

"Die Welt ist noch lange nicht in Ordnung"

Heiner Geißler fordert ethische Grundsätze in der Wirtschaft
 

Fellbach. Beim Stuckateur-Kongress (KIT) in der Schwabenlandhalle hat der altgediente CDU-Politiker Heiner Geißler sprichwörtlich auf den Putz gehauen. Der 78-Jährige äußerte sich in seinem fast zweistündigen Vortrag kritisch zur herrschenden Moral in Politik und Wirtschaft.


Von Sascha Sauer


Er sollte der Magnet sein. Ein Magnet mit so einer starken Kraft, dass er die Stuckateure und Maler selbst nach zwei Tagen Kongress noch zu einem inhaltlich anspruchsvollen Vortrag in den Hölderlinsaal zieht. Die Rechnung der Veranstalter ging auf. Die Stühle im Saal waren gut besetzt, als sich der CDU-Politiker Heiner Geißler auf den Weg zum Rednerpult machte.


"Wir befinden uns in einer Zeit des großen Umbruchs", sagte Geißler. Vor 19 Jahren mit dem Fall der Mauer habe keine Wende, sondern eine unblutige Revolution stattgefunden. "Die Sowjetunion ist von der Weltkarte verschwunden, der Kalte Krieg ist vorbei." Selbst der russische Präsident Wladimir Putin habe beim Nato-Gipfel Anfang des Monats in Bukarest gesagt: Lasst uns Freunde sein, Leute!


Doch deswegen ist die Welt noch lange nicht in Ordnung, sagte Geißler. Es warteten neue Herausforderungen auf die Menschen - ökologische und ökonomische. Aber zunächst müsse die Frage nach dem richtigen Menschenbild gestellt werden. "Gehörten die Leute im vergangenen Jahrhundert zur falschen Klasse, Rasse, Nation oder Religion, dann wurden sie liquidiert, vergast, in die Luft gesprengt oder zu Tode gefoltert", sagte der Politiker. Heute gebe es dagegen andere menschenfeindliche Kategorien: Armut, Alter und Arbeitslosigkeit. "Der Mensch wird zum Kostenfaktor gemacht."


Des weiteren kritisierte Geißler die Steuer- und Konjunkturpolitik, die es dem Mittelständler schwermacht und die Kapitalgesellschaften privilegiert. Für den CDU-Politiker stellt sich deswegen die moralische Frage: Haben wir eine Wirtschaftsordnung, wo nur noch die Großen eine Chance haben? Einen geordneten Wettbewerb habe es noch zu Zeiten der sozialen Marktwirtschaft gegeben. Jetzt habe sich die Ökonomie global entwickelt, die Politik sei dagegen national organisiert. "Wir brauchen eine internationale sozialökologische Marktwirtschaft", forderte Geißler.


Die Finanzkrise der Banken nahm der Redner zum Anlass, um für die Einführung einer Börsenumsatzsteuer zu plädieren. "Von diesem Geld könnten fast alle Infrastrukturprobleme in Afrika finanziert werden." Gegen Ende seines Vortrages kritisierte Geißler Reformen der Agenda 2010. "Hartz IV ist eine staatliche Missachtung der Lebensleistung - das Gesetz verletzt die Menschenwürde." Sein Appell: "Humanität und Ökonomie sind keine Widersprüche."
 

14.04.2008 - Fellbacher Zeitung

 

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